Dienstag, den 12. Dezember 2017
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Ausgewählte Ausgabe: 03-2016 Ansicht: Modernes Layout
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Energie aus Abfall – wichtiger Baustein der Energiewende


Die Energiewende hat anspruchsvolle Ziele: Der Ausstoß von Treibhausgasen soll nach dem Bestreben der Bundesregierung bis zum Jahr 2020 um 40 % und bis 2050 sogar um bis zu 95 % zurückgehen – bei gleichzeitigem Ausstieg aus der Atomkraft. Um das zu erreichen, müssen erneuerbare Energien und der effiziente Umgang mit Strom und vor allem auch Wärme ausgebaut werden.
Wärme macht in Deutschland rund die Hälfte des gesamten Energiebedarfs aus. Nachhaltige Lösungen auf diesem Gebiet sind somit zentrale Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende. In Sachen Energieeffizienz ist Fernwärme aus Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) dabei die erste Wahl: Sie leistet einen wichtigen Beitrag zur Wärmewende, also zur Umstellung der Versorgung auf erneuerbare und hoch effiziente Quellen.
KWK verbindet den Strom- mit dem Wärmemarkt und kann flexibel auf Schwankungen bei Wind- und Sonnenenergie reagieren. Speziell für Ballungsräume bietet sie damit eine nachhaltige Lösung und verringert den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) auf Dauer.
Gleichzeitig ist Fernwärme aus KWK nicht auf einen bestimmten Brennstoff als Energiequelle beschränkt. Bereits heute leistet der Einsatz von Abfall, der nicht mehr stofflich verwendet werden kann, einen wichtigen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz. Der Brennstoff dieser Anlagen – also Reststoffe aus Haushalten, Gewerbe und Industrie – besteht im Durchschnitt zu 50 % aus CO2-neutralen, biogenen Stoffen wie Holz, Papier oder Baumwolle. Beim Verbrennungsprozess entsteht nur so viel Kohlendioxid, wie die Pflanze zuvor beim Wachstum aufgenommen hat. Dadurch entlastet Energie aus Abfall das Klima allein in Deutschland um rund 6,7 Mio. t CO2 pro Jahr gegenüber der Erzeugung aus fossilen Brennstoffen.
Auch bei der Energieeffizienz schneiden abfallgefeuerte Kraftwerke sehr gut ab. Aus einer Tonne Restabfall entstehen im Durchschnitt mehr als 1 200 kWh nutzbare Energie. Damit werden auch gesetzliche Vorgaben erfüllt, meistens sogar mit deutlichem Überschuss, denn nur effiziente Kraftwerke gelten nach der EU-Gesetzgebung als Verwertungsanlagen. Zudem sind die Standorte in der Regel so gewählt, dass für Reststoffe aus den Ballungsgebieten keine langen Transportwege nötig sind. Diese Nähe zu Wärmeverbrauchern wie Wohnbebauung oder Industrie macht die Auskoppelung von Fernwärme oder Prozessdampf ökonomisch und ökologisch sinnvoll. Thermische Abfallverwertungsanlagen tragen somit entscheidend zu einer effizienten und klimaschonenden Wärmeversorgung bei.
Die Mannheimer MVV Umwelt, eine Tochtergesellschaft des Energieunternehmens MVV Energie, setzt dieses umweltfreundliche Prinzip mit ihren Kraftwerken konsequent um. Aus rund 1,6 Mio. t kommunalen und gewerblichen Abfällen pro Jahr erzeugt das Unternehmen mit KWK Strom und Wärme. So versorgt MVV Umwelt zum Beispiel mit ihrer Anlage in Leuna einen Chemiepark mit Prozessdampf und ersetzt damit Erdgas als Energieträger. Im südwestenglischen Plymouth liefert das neue Heizkraftwerk des Unternehmens Wärme an die größte Marinebasis Europas und macht auf diese Weise die bisherige Erzeugung aus fossilen Rohstoffen überflüssig. Im Heizkraftwerk Mannheim, das neben Strom auch Prozessdampf erzeugt, konnte mit dem Projekt „OptiMa“ die Brennstoffausnutzung weiter erheblich verbessert werden: Bei gleichem Brennstoff-Input erhöhte sich die produzierte Strommenge um rund 12 %. Die dadurch erzielte Ersparnis von rund 33 000 t CO2 pro Jahr unterstreicht die Bedeutung von Energieeffizienz für den Klimaschutz und die Energiewende.

Autoren

Dr. Hansjörg Roll

Vorstandsmitglied MVV Energie, Mannheim.

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