Sonntag, den 17. Dezember 2017
Noch keinen Zugang? Dann testen Sie unser Angebot jetzt 3 Monate kostenfrei. Einfach anmelden und los geht‘s!
Angemeldet bleiben
Ausgewählte Ausgabe: 12-2016 Ansicht: Modernes Layout
| Artikelseite 1 von 1

Anpassung von Bestandsanlagen an sich ändernde Rahmenbedingungen

Der Bau neuer Anlagen zur thermischen Verwertung von Restabfällen ist in den letzten Jahren in Europa deutlich zurückgegangen. Für die bestehenden hat dies zur Folge, dass viele länger als geplant betrieben werden. Die Martin GmbH aus München verzeichnet daher eine spürbare Steigerung der Nachfrage an Modernisierungsmaßnahmen, Verlängerung der Anlagenlebensdauer sowie der Anlagenoptimierung.


Für die Planung und Durchführung der teilweise sehr komplexen Modernisierungsmaßnahmen ist eine genaue Kenntnis der Technik und deren Zusammenwirken erforderlich.

Martin_a.tif

Feuerraum mit Very-Low-NOX-Installation.

Anders als beim Neubau, bei dem weitgehend technische Standardkomponenten gemäß eigener Regeln zur Auslegung zum Einsatz kommen, müssen hier technische Lösungen erarbeitet werden, die die räumlichen und verfahrenstechnischen Anforderungen der Bestandsanlage bei der Implementierung berücksichtigen. Veränderungen einzelner Anlagenkomponenten führen häufig zur Beeinflussung weiterer Komponenten – auch das ist bei der Modernisierung zu beachten. Neben dem beim Unternehmen Martin vorhandenen Fachwissen im Bereich der Planung, des Engineerings und der Realisierung solcher Maßnahmen, werden verschiedene softwarebasierte Systeme, wie etwa CFD-Simulationen, zur Erarbeitung der technischen Lösung und zur Ermittlung der Einflüsse auf die Gesamtanlage eingesetzt. Die so erarbeiteten Konzepte sind vielfältig und reichen von einem Austausch von Feuerungskomponenten bis zu einer Optimierung und Leistungssteigerung von Gesamtanlagen hin.

Modernisierung in der Praxis

Für den Wechsel eines kompletten Rostsystems während der jährlichen zehntägigen Revisionsstillstände der Müllverbrennungsanlage North Andover, USA, wurde ein Montagekonzept entwickelt, das einen schrittweisen Austausch der Komponenten zwischen 2011 und 2017 ermöglichte. Auch konstruktive Anpassungen waren erforderlich, um ein reibungsloses Zusammenspiel der neu eingebauten Teile mit den alten sicherzustellen.

Martin_1.tif

Neuer Fertigungsstandort in Portugal.

Für die Realisierung von Leistungssteigerungen und Lebensdauerverlängerungen können, ausgehend von der ursprünglichen Auslegung der Anlagenkomponenten und dem aktuellen Zustand, Modernisierungskonzepte entwickelt werden. Diese ermöglichen eine Leistungserhöhung von 5 bis 30 %. Dies kann durch eine Nachrüstung verschiedener Anlagenkomponenten, etwa eines Rotationswärmeübertragers, durch die Implementierung neuer Techniken, wie eines Infrared-Combustion-Control-Systems sowie komplexer Anpassungen der Anlagentechnik, etwa einer Veränderung des Kessellayouts, realisiert werden.
Ausgehend vom aktuellen Zustand der Anlagen und dem vorgegeben Ziel, sind die Lösungsansätze zur Anpassung auf sich ändernde gesetzliche und genehmigungsrechtliche Auflagen vielfältig. Sie reichen von einer Regulierung der Verbrennungsluftverteilung über eine Nachrüstung von Systemen zur selektiven, nicht katalytischen Reduktion bis hin zum Einsatz neu entwickelter Technologien, wie dem Very-Low-NOX-Verfahren.
Neben dieser verfahrenstechnischen Fachkompetenz zum Anlagenneubau und zur Modernisierung von Bestandsanlagen wurde bei dem Münchener Unternehmen in den letzten Jahren der Bereich Kesselbau weiter ausgebaut. In Matzingen / Schweiz entstand eine Fertigung für Druckteile, bei der neben der Herstellung und Reparatur von Kesselkomponenten das Hauptaugenmerk auf dem Auftragsschweißen von Nickel-basierten Legierungen als Korrosionsschutz für die Kesselkomponenten liegt. Um weiterhin flexibel auf das wachsende Marktumfeld reagieren zu können, wird zurzeit eine neue und größere Fertigungskapazität in Portugal aufgebaut, die Anfang kommenden Jahres mit der Fertigung beginnen wird.

Autoren

 Toralf Weber

Martin GmbH, München,
toralf.weber@martingmbh.de

Verwandte Artikel

Nachhaltigkeit in der Edelstahlproduktion

Latente Gefahr – Altablagerungen in Hanglage

Recycling-Ideen, die sich sehen lassen können

Phosphorrückgewinnung mittels Kristallisationsverfahren

Wiederverwertung von Abfällen

Recycling von Leistungselektronik aus Elektrofahrzeugen