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Ausgewählte Ausgabe: 12-2016 Ansicht: Modernes Layout
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Optische Brandfrüherkennung für Abfallanlagen

In den verdichteten Abfällen in Müllbunkern können sich Hitzenester bilden. Werden diese nicht rechtzeitig erkannt, kann dies zu gefährlichen Bränden mit Personen- und Sachschäden führen. Eine optische Früherkennung mit Wärmebildkameras der Flir Systems GmbH aus Frankfurt am Main soll potenzielle Brandherde rechtzeitig aufspüren. Die alarmierten Mitarbeiter können somit eingreifen, bevor sich ein Feuer ausbreiten kann. Die thermische Abfallverwertungsanlage (TAV) Ludwigslust leistet einen Beitrag zur nachhaltigen Abfallwirtschaft für rund 240 000 Bürger aus den Landkreisen Ludwigslust und Parchim.


Im verdichteten Müll können sich Hitzequellen bilden, die dann zu Bränden führen.

Im verdichteten Müll können sich Hitzequellen bilden, die dann zu Bränden führen.

An ihren Standorten sammelt die TAV Müllmengen, die ständig verdichtet und für den Weitertransport in den Verbrennungsofen vorbereitet werden. Diese Tätigkeit ist nicht ungefährlich, da das ständige Risiko einer Selbstentzündung besteht. Um die Entwicklung spontaner Brände in den Abfallhaufen zu verhindern, entschied sich der Betreiber für ein Investment in Hot-Spot-Erkennungs-Technologie und überwacht den Betrieb jetzt mit Wärmebildkameras von Flir Systems.
In der Anlage werden seit Mitte des Jahres 2005 jährlich 50 000 t Hausmüll sowie Sortierreste aus gewerblichen Abfällen thermisch behandelt. Das heißt, dass der Abfall verbrannt und die dabei frei werdende Energie zurückgewonnen wird. Die TAV Ludwigslust ist eine konventionelle Abfallverbrennungsanlage, die 24 Stunden am Tag aktiv ist. Die Bruttowärmeleistung von 16 MW wird zurzeit verstromt; damit verfügt die Anlage über eine Nettoeinspeiseleistung von 2,1 MW.

Gefahr der Selbstentzündung

Brände auf Deponien und in Müllbunkern sind ein häufiges und bekanntes Problem. Sie können durch spontane Selbstentzündung entstehen, indem eine verdeckte Wärmequelle, die aus biologischer Zersetzung oder chemischen Oxidationsprozessen resultieren kann, einen Temperaturanstieg erzeugt. Wenn die Abfallmasse die Wärme nicht schneller abführen kann, als sie erzeugt wird, kann es dann zur Entzündung kommen. Brände können auch durch Defekte an den elektrischen Anlagen hervorgerufen werden.
Auch die Verantwortlichen in Ludwigslust hatten in der Vergangenheit mit Brandgefahren zu kämpfen. Zu einem bemerkenswerten Ereignis kam es im Jahr 2014, so der Geschäftsführer Andreas Rosemann: „Wir hatten tatsächlich vor zwei Jahren in unserem Abfallannahmebereich ein größeres Feuer, das zu Schäden geführt hat. Der Brand verlief so ungünstig, dass wir nach kurzer Zeit nicht mehr in der Lage waren, ihn mit eigenen Löschmitteln zu bekämpfen, so dass die Feuerwehr ausrücken und intensive Brandbekämpfungsmaßnahmen durchführen muste.“
Schäden durch Feuer verursachen unterschiedliche finanzielle Einbußen: Verluste von Energie-Ressourcen, Verluste in der Produktivität, mögliche Kollateralschäden sowie die Kosten für die Lösch- und Aufräumarbeiten. Dabei besteht auch immer die Gefahr, dass Personen verletzt werden.
„Der Schaden, den wir 2014 hatten, belief sich auf 95 000 €. Ich denke, da haben wir noch großes Glück gehabt. Wahrscheinlich wären mit einer späteren Reaktionszeit seitens der Feuerwehr oder unserer Technik noch viel höhere Kosten möglich gewesen. Im schlimmsten Fall hätten wir mit Schäden von bis zu 5 Mio. € rechnen können“, so Rosemann.

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Autoren

 Bertrand  Völckers

Flir Commercial Vision Systems Deutschland, Berlin,
bertrand.voelckers@flir.de

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