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Ausgewählte Ausgabe: 07-08-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Umweltmärkte: Auf die israelische Wasserwirtschaft warten große Aufgaben

Israels Wasserwirtschaft gehört zu den modernsten der Welt. Auf ihren Lorbeeren ausruhen kann sie sich aber nicht. Der schnell wachsende Verbrauch macht den weiteren Ausbau der Meerwasserentsalzung unvermeidlich. Die damit einhergehende Verlagerung der Versorgungsquellen von Nord nach West erfordert einen Umbau des Wassertransportsystems. Die Abwasserreinigung wird nicht nur quantitativ ausgebaut, sondern auch qualitativ aufgewertet.


Die israelische Wasserwirtschaft kann ansehnliche Erfolge vorweisen. In der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts wurde eine akute Wasserversorgungskrise überwunden. Das war hauptsächlich der Meerwasserentsalzung zu verdanken. Im Jahr 2016 lieferten Entsalzungsanlagen rund 600 Mio. m3 Wasser. Allerdings spielt auch die Abwasserreinigung eine wichtige Rolle.

Weniger Wassers aus natürlichen Quellen

Die Bedeutung des von Menschen hergestellten Wassers lässt sich an der von der israelischen Wasserbehörde für 2017 prognostizierten Struktur der Wasserbereitstellung erkennen. Danach werden in diesem Jahr nur 41 % der Wasserversorgung aus natürlichen Wasserbeständen stammen: den Grundwasserträgern, den Flüssen, dem See Genezareth und den Wasserquellen. Weitere 27 % entfallen auf die Meerwasserentsalzung, 22 % auf Abwasserreinigung, 8 % auf die Nutzung von Brackwasser und 2 % auf die Entsalzung von Brackwasser.

Dank der Entsalzung konnten die rigorosen Einschnitte bei der Wasserzuteilung etwas gelockert werden. Im Jahr 2015 lag der Wasserverbrauch mit 2 046 Mio. m3 um 11,7 % über dem fünf Jahre zuvor erreichten Tiefstand. Allerdings bedeutet das nicht, dass Wasser heute eine ohne Einschränkungen verfügbare Ressource wäre. Vielmehr wurde die erhöhte Versorgung mit entsalztem Wassers auch dazu genutzt, die Überbelastung der natürlichen Wasserressourcen zurückzufahren. Sorgte etwa der See Genezareth Anfang des Jahrzehnts für 17 % der Wassereinspeisung in das landesweite Wassertransportsystem, so ging dieser Anteil 2016 auf nur noch 3 % zurück. Angesichts des fast schon katastrophalen Absinkens des Wasserpegels des Sees war das unumgänglich. Dass überhaupt Wasser von dort gepumpt wird, geschieht nur, um die Funktionsfähigkeit der Pumpanlagen zu sichern.
Auch in Zukunft muss Israel mit seinen natürlichen Wasserressourcen sparsam umgehen. Dennoch wird eine Erhöhung der Wasserzuteilung unvermeidlich sein. Zum einen lassen sich die Restriktionen der Krisenjahre nicht auf Dauer aufrechterhalten. Zum anderen nimmt die Bevölkerung um 1,8 bis 2,0 % pro Jahr zu, während für die Wirtschaft in den kommenden Jahren ein jährliches Wachstum von rund 3 % prognostiziert wird.
Für das Jahr 2017 rechnet die Wasserbehörde mit einem Wasserverbrauch von rund 2,2 Mrd. m3 und für 2020 zwischen 2,6 und 2,7 Mrd. m3. Die natürlich anfallende, erneuerbare Wassermenge im Land liegt bei rund 1,2 Mrd. m3, also jetzt schon weit unter dem tatsächlichen Verbrauch. Zudem schafft der Klimawandel neue Herausforderungen: Die Niederschlagsmenge in der nahöstlichen Region ist rückläufig, wovon auch Israel betroffen ist.

Entsalzung per BOT

Daher ist ein Ausbau der Meerwasserentsalzung ein Muss. Ende 2017 oder Anfang 2018 soll mit dem Bau einer Entsalzungsanlage im Norden der israelischen Mittelmeerküste mit einer Leistungskapazität von 100 Mio. m3/a begonnen werden. Anschließend müssen weitere neue Anlagen gebaut und/oder bestehende erweitert werden. Bisher liegen die meisten Meerwasserentsalzungsanlagen im südlichen Teil der Küste. Die Entsalzungsanlagen werden im BOT-Verfahren gebaut und betrieben.
Eine weitere Quelle für die Erhöhung der Wassermengen ist verstärkte Abwasserbehandlung. In dieser Beziehung gibt es noch etwas Luft nach oben. Zwar wurden 2016 bereits 86 % der landesweit anfallenden Abwassermenge gereinigt, doch wird eine Anhebung dieses Prozentsatzes auf 95 % angestrebt.
Zudem soll die Abwasserreinigung nicht nur quantitativ ausgebaut, sondern auch qualitativ aufgewertet werden. Nach Angaben der Wasserbehörde sollen binnen eines Jahrzehnts alle gereinigten Abwässer der tertiären Behandlung unterzogen werden und damit in der landwirtschaftlichen Bewässerung aller Ackerbauprodukte einsetzbar sein.

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Autoren

 Wladimir Struminski

GTAI Israel, www.gtai.de/israel

Germany Trade & Invest

Germany Trade & Invest (GTAI) ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland. Die Gesellschaft vermarktet den Wirtschafts- und Technologiestandort Deutschland im Ausland und informiert deutsche Unternehmen über Auslandsmärkte. 

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