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Ausgewählte Ausgabe: 10-11-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Recycling-Ideen, die sich sehen lassen können

Soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit – auch wenn diese Themen nicht direkt Begeisterung hervorrufen, sind sie doch in aller Munde. Und es lohnt sich, genauer hinzusehen: Es gibt mehr und mehr Unternehmen, die unkonventionell denken, innovative Recycling-Konzepte umsetzen, und damit Teil der Kreislaufwirtschaft werden. Dass einige dieser Konzepte nicht nur nachhaltig, sondern tatsächlich auch kreativ und inspirierend sind und einen Aha-Effekt bieten, zeigen die folgenden Beispiele.


Eine der größten Mülldeponien der Welt befindet sich – anders als man denken könnte – nicht an Land, sondern auf dem Meeresgrund. Dort liegen unzählige Plastiktüten, Flaschen und sonstiger Abfall, der die Weltmeere verunreinigt und in dem sich Meeresfauna und -flora verfangen und Schaden nehmen. Gemäß Schätzungen einer neueren Untersuchung (http://science.sciencemag.org/content/347/6223/768) wird die Menge der im Meer entsorgten Kunststoffe bis zum Jahre 2025 auf 28 Mio. t pro Jahr steigen.

Nachhaltige Sportschuhe

Grund genug für den Sportartikelhersteller Adidas und die Non-Profit-Organisation „Parley for the Oceans“, die sich für den Schutz der Meere engagiert, eine Zusammenarbeit einzugehen. Die Kooperation zielt darauf ab, diesen Abfall sinnvoll für andere Zwecke zu verwenden. Ergebnis ist ein in 3D-Druck hergestellter Sportschuh. Das Oberteil besteht aus Kunststoff, der aus dem Meer gewonnen wurde. In der Zwischensohle finden sich recycelte Polyamid und Kunststofffasern aus entsorgten Tiefseenetzen. Bei diesen Laufschuhen handelt es sich nicht etwa um einen werbewirksamen Prototyp, sondern um ein Modell, das seit kurzem erfolgreich im Handel und bereits ausverkauft ist.

Mode und ihr Beitrag zur Kreislaufwirtschaft

Die Modewelt hat sich in ein Schnelldreher-Business verwandelt – Kleidungsstücke sind teils nicht einmal mehr eine ganze Saison lang angesagt, „Fast Fashion“ bestimmt die Branche. In Deutschland gibt es pro Jahr eine Million Tonnen Altkleider. Das entspricht dem Gewicht des kompletten jährlichen Mülls in Hamburg [1].
Für die Produktion eines Kilogramms Baumwollstoff werden mehr als 20 000 l Wasser verbraucht – genug, um mehrere Schwimmbäder zu füllen. Dazu kommen die Kosten der Materialgewinnung. Vor diesem Hintergrund sind Konzepte, die eine Zweit- und gegebenenfalls sogar Drittverwertung von Kleidung ermöglichen, wichtiger als je zuvor.
Die Modekette H&M beispielsweise leistet seit 2013 ihren eigenen, direkten Beitrag zur Kreislaufwirtschaft: Im Rahmen ihrer „Garment Collecting“-Initiative werden Kunden dazu ermuntert, ausrangierte Kleidung – auch anderer Marken – in einer H&M-Filiale abzugeben. Im Gegenzug erhalten sie dafür einen H&M-Einkaufsgutschein. Mithilfe des Partners I:CO werden die abgegeben Kleidungsstücke entweder als Second-Hand-Stücke wieder verkauft, in andere Stoffprodukte, wie zum Beispiel Reinigungstücher, verarbeitet oder zu Textilfasern geshreddert und etwa als isolierendes Füllmaterial verwendet. Seitdem das Programm aufgelegt wurde, konnten über 32 000 t Kleidungsstücke eingesammelt werden, was mehr als 100 Mio. T-Shirts entspricht [2].

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Autoren

 Sylvie Thomas

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