Freitag, den 15. Dezember 2017
Noch keinen Zugang? Dann testen Sie unser Angebot jetzt 3 Monate kostenfrei. Einfach anmelden und los geht‘s!
Angemeldet bleiben
Ausgewählte Ausgabe: 10-11-2017 Ansicht: Modernes Layout
| Artikelseite 1 von 1

Klare Verhältnisse zum Verbleib von Altfahrzeugen


Im Juni 2017 wurden die Ergebnisse des UBA-Forschungsvorhabens zum unbekannten Verbleib von über einer Million Altfahrzeugen veröffentlicht. Wie erwartet, lässt sich die „statistische Lücke“ schließen, das Kernproblem jedoch ist ungelöst. Denn die Altauto-Branche leidet unter Unterauslastung, fehlendem Vollzug, unklaren Regelungen und illegalem Export. Die Branche hat kein zusätzliches Altfahrzeug in ihren Anlagen, wenn nun bekannt ist, wie viele Fahrzeuge tatsächlich in nicht-anerkannten Betrieben behandelt oder ins EU-Ausland exportiert werden. Den vorgelegten Daten müssen nun endlich Taten folgen. Zudem ist es nicht zufriedenstellend, dieses Instrument weiter als geeignetes Mittel für einen funktionierenden Vollzug anzusehen, wenn nur bei zehn Prozent der zurückgenommenen Altfahrzeuge Verwertungsnachweise vorliegen. Der boomende Online-Handel mit riesigem Wachstumspotenzial, über den in der Zwischenzeit ein Großteil der Teilevermarktung stattfindet, trägt erschwerend dazu bei, dass der Vollzug immer schwieriger und aufwendiger wird. Dazu gehört beispielsweise eine rechtsverbindliche Beweislastumkehr beim Export, wie sie bereits im Elektronikschrottbereich gilt.
Die gemeinsame Produktverantwortung der Hersteller, Demontagebetriebe und Verwerter muss eindeutiger definiert werden. Zudem ist mehr Kommunikation, mehr Information und eine Kostenbeteiligung seitens der Hersteller an Forschungsvorhaben für neue Recyclingtechniken notwendig. Das Konzept der Recyclingquoten muss auf neue Füße gestellt werden. Quoten, die ausschließlich auf Massenmetalle abzielen, sind nicht mehr zeitgemäß. Notwendig sind quantitative als auch qualitative Recyclingziele. Zudem sind Anreize für höhere Rücklaufquoten zu diskutieren, eine gesetzlich festgelegte kostenlose Rücknahme ist nicht mehr marktgerecht und zeitgemäß.
Alle geplanten politischen und rechtlichen Maßnahmen müssen nun in enger Abstimmung mit der gesamten Branche stattfinden. Dies gelingt aber nur im gegenseitigen Austausch mit Herstellern und Lieferanten. Wir wollen keinen Protektionismus der Rohstoffe proklamieren, fordern aber klare Verhältnisse bei der Aufgabenverteilung in der Behandlung von Altfahrzeugen und die Beendigung illegaler Exporte aus der EU. Neben einem besseren Vollzug ist dringend die Anpassung der Richtlinie an neue Marktbedingungen notwendig.

„Die Altauto-Branche leidet unter Unterauslastung, fehlendem Vollzug, unklaren Regelungen und illegalem Export.“

Um der Produktverantwortung exportierter Altfahrzeuge gerecht zu werden, sind neue Wege zu gehen. Die europäische Industrie muss ihrer Verantwortung gerecht werden und auch den riesigen afrikanischen Markt erschließen. Steigende Exporte von (Alt-)Fahrzeugen vom europäischen Markt machen Investitionen in Recyclingtechniken auch in Afrika notwendig.
Das Potenzial des afrikanischen Markts ergibt sich durch viel geringere Arbeitskosten. Dieses sollte genutzt werden, weil gleichzeitig Arbeitsplätze geschaffen und gesichert werden. Fahrzeuge enthalten bereits heute einen stark zunehmenden Anteil an Elektronik. Dies erhöht den Druck immer mehr für händische Vordemontageschritte. Der Ausbau der händischen Demontage ist in Mitteleuropa nicht wirtschaftlich. Die Umwelt- und Ausbildungsstandards in Ghana und Nachbarstaaten sind dringend anzuheben. Kooperationsprojekte mit den Recycling-Partnern vor Ort, der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und den Auslandshandelskammern können hier wertvolle Entwicklungshilfe leisten.
Der weiter hohe Anteil an unbekanntem Verbleib oder außerhalb der EU exportierten Altfahrzeuge ist zwar durch das veröffentlichte Vorhaben auf nunmehr 590 000 Altfahrzeuge geschrumpft, ein Großteil davon wird aber illegal exportiert. Weil die Politik und Behörden diesen Abfluss bis heute nicht stoppen können, müssen wir aus der Not eine Tugend machen. Wir können den afrikanischen Staaten helfen, indem wir unser Recycling-Know-how mitbringen, gleichzeitig müssen wir gemeinsam mit den afrikanischen Partnern einen geordneten Rücktransport von Restkarossen für die Shredderanlagen organisieren.

Autoren

 Kai  Lohmann

Geschäftsführer der Scholz Recycling GmbH, Essingen.

Verwandte Artikel

Flügel für das betriebliche Klimamanagement

Abfallwirtschaft 2017 – Chancen, aber auch Herausforderungen

Prozessautomation in der Wasserwirtschaft: Nutzen aus Bits und Bytes

Lösungen für das Wassermanagement 4.0

Energie aus Abfall – wichtiger Baustein der Energiewende